Ein paar Worte über Banken

Vor einigen Tagen wurde mir eine Einladung zum neuen Yomo-Projekt der Sparkassen genehmigt. Seit dem stockt der Eröffnungsprozess. Durch einige Stolpersteine dauert es bei mir trotz einfachem „Durchklick“-Interface leider etwas länger.

Yomo soll es den Sparkassen es wieder ermöglichen junge Kundschaft zu gewinnen. Dank Direktbanken mit bedeutend niedrigeren Gebühren und nicht zuletzt Projekten wie N26 verliert die Sparkasse ihren Grundsatz für zukünftige Kunden. Da Deutschlands Bevölkerung bezogen auf Kontowechsel eher faul ist, entsteht hier ein größeres Problem – zumindest für die Sparkasse.

N26 z.B. ist auf MasterCard-Basis und kostenlos. Damit greift N26 genau den Punkt an, an dem junge Kunden im Zeitalter der Globalisierung den internationalen Handel z.B. in amerikanischen Internetshops entdecken oder schlichtweg auch auf Reisen in andere Länder – auch mal auf eigene Faust – gehen können. Das erste was sie dort feststellen werden: Ihre GiroCard mit der sie in Deutschland quasi überall zurecht kommen ist dort so gut wie nicht zu gebrauchen. Da es in Amerika auch einige „only MasterCard/VISA accepted“ Shops gibt, ist man dann selbst dort schon aufgeschmissen.
N26 macht sich dies zu Nutze und bietet einfach eine Debit-MasterCard auf Prepaid-Basis an. Ohne jegliche Kontoführungsgebühren ist man mit den roundabout 20€ die die Sparkasse jährlich benötigt um exakt das selbe zu tun bereits weit voraus.

Wer sein Konto über den Schüler/Studenten/Ausbildungs/Bundeswehr etc. Zeitraum hinaus verwenden möchte fährt fast auf dem gleichen Gleis. Roundabout 70€ im Jahr, falls das Konto so weiter genutzt werden soll wie man es gewöhnt ist. Natürlich gäbe es günstigere Varianten, die dann aber mit Transaktionskosten bei normaler Verwendung dann doch teurer sind als die nächstteurere Variante.

Direktbanken greifen hier an und graben zumindest momentan den Sparkassen massiv Kunden ab. Die Hemmschwelle dann doch das Konto zu wechseln ist bei 70€ im Jahr also schon erreicht und damit ist das Produkt der Sparkasse meines Erachtens nicht mehr Zukunftsfähig. Viele Kunden wechseln zu Comdirekt, ING DiBa und co. schlichtweg weil diese ihren Kontobetrieb anscheinend günstiger finanziert bekommen als Sparkassen. Die einzigen wirklichen Abstriche sind eine kleinere Auswahl an Geldautomaten – das ist das einzige Pro-Argument welches ich den Sparkassen noch zuordnen würde

Bargeld

Die Banken bemühen sich das Bargeld abzuschaffen, weil das Buchgeld und eine möglichst lange Zeit auf dem Bankkonto für sie profitabler ist. Das Gegenteil davon möchten deutsche Kunden – daher war das Bestreben der Banken in letzter Zeit die Kartenzahlung so einfach wie möglich zu machen.

Bargeld ist unter Umständen auch ein Kostenfaktor. Die Geldautomaten müssen irgendwo stehen, das Geld muss da immer wieder reinkommen und alle Nas lang fällt auch mal einer aus oder stielt den Kunden durch Sicherheitslücken ihre Kartendaten.

Die Sparkassen haben das deutschlandweit beste Netz aus Geldautomaten überhaupt. Man steht irgendwo, sucht nach Geldautomaten und der kürzeste Weg zum nächsten ist mit aller Wahrscheinlichkeit ein Sparkassenautomat. Für die Geldtransporter und den Wartungsdienst fallen also einiges an Kosten an. Allerdings bekommt es die Commerzbank und sogar die Postbank hin ein ähnlich gutes Netz aufzubauen – man muss zwar etwas länger laufen, aber nicht deutlich länger. Mit Gruppierungen wie die CashGroup oder CashPool ist dieser Vorteil der Sparkassen dann auch etwas ausgemerzt, Kunden müssen zwar etwas länger nachforschen und können nicht direkt am Sparkassen-Logo erkennen dass es hier Bares gibt – aber das scheint eine eher kleine Hürde zu sein.

Bargeld ist also tatsächlich teuer – im MasterCard System sogar noch teurer – Die Bank des Kontoinhabers muss der Bank des Geldautomateninhabers eine Gebühr für die Bargeldausgabe zahlen. Nicht selten wickeln die Banken deshalb dann die Kosten auf den Kunden ab.

Online

Onlinebanking war gerne eine Ausrede vieler Banken Gebühren einführen zu müssen. Tatsächlich ist ein solcher Service, wenn er denn verlässlich, sicher und stabil sein soll nicht ganz günstig. Das Onlinebanking ist allerdings in der Regel nicht so hoch frequentiert wie die Ticket-Website des Wacken-Festivals während des Ticket-Verkaufsstarts. Die Kosten hierfür lassen sich also berechnen und unter Umständen kleiner halten. Einzig und allein bei Sicherheitslücken wäre für deren Bugfix unter Umständen eine größere Summe notwendig. Kontomodelle wie das „jeder Klick einen Cent“ Modell der Sparkasse Soest ist meines Erachtens nicht notwendig, wenn man sich mal betrachten wodurch die Banken ihr Geld denn überhaupt vermehren können.

Wodurch verdienen Banken

Erst einmal verdienen Banken durch Fondsparverträge, Riesterrenten und co. Aktiv gemanagte Fonds benötigen einen Manager dessen Meinung entscheidet wie das Geld profitbringend für die Bank sein könnte. Managergehälter sind aber nicht günstig – eine Einlage eines Kunden kann dann auch gut und gerne mal der Monatslohn des Fondmanagers sein. Mit dem Rest geht man an die Börse und versucht das bestmögliche zu tun um das Gehalt des Managers und vielleicht auch noch ein bisschen mehr herauszubekommen. Man hat den Kunden ja versprochen es sei Gewinnbringend was sie da tun – wenn dem nicht so ist, dann verliert man ja schon wieder Kunden – und das kann sich eine Sparkasse momentan auch nicht unbedingt leisten.
Selbst für Manager ist die Börse ein schwieriges Unterfangen. Daher gibt es für Manager häufig auch gerne mal Überstunden und 17-Stunden-Tage.
Diese Börsengeschichten sind trotzdem noch die Haupteinnahmequelle der Banken durch das trotz der schwierigen Landschaft augenscheinlich alles mögliche finanziert wird – Nicht ohne Grund sind diese Abteilungen häufig die größten und stärksten Abteilungen in einer Bank.

Was sollen dann noch Kontoführungsgebühren?

Der aktuelle Leitzins der EZB beträgt zumindest laut Finanzen.net exakt 0%. Die Banken können ihr Geld also noch so parken ohne Strafen dafür zahlen zu müssen. Den Leitzins auf die Kunden abwälzen zu wollen kann man also höchstens verlangen wenn voraussichtlich ist, dass dieser fallen wird. Die letzten Äußerungen der EZB sehen da aber etwas anderes vor, weil man ja erkennt was die Banken so mit ihren Kunden tun. Trotzdem gäbe es tatsächlich erst einen Grund wenn die Zinsen wirklich negativ sind. Meines Erachtens sollte der erfolgreiche Handel der Bank neben die Zinsen für Bausparverträge (die eh im Bereich von 0-1% pendeln) und die Kosten die der Geldautomatenbetrieb verursacht tragen können. Zumal gerade bei Banken auch viel Geld in Immobilien und Büromöbeln steckt, die vielleicht nicht so teuer sein müssten.

Blasen

Die Börse produziert regelmäßig Blasen (also stark gehypte Anlegemöglichkeiten) die irgendwann platzen und eine Baisse (also stark fallende Kurse in gesamten Branchen) verursachen. Momentan ist die größte Blase der Immobilien-Markt (Vorsicht: Das ist meine Vermutung – niemand kann das so genau wissen). Damit Banken auch mit ihrem Handel eine solche Blase überstehen können benötigen sie ein sehr dickes Finanzpolster. Das kommt allerdings eher von Bausparverträgen und den sonstigen aktiven Fonds während meiner Vermutung nach Mitarbeiter und Bauspar-Zinsen eher aus dem Handel einer Bank kommen.
Ohne die Blasen und deren dann doch recht heftige Wirkung kann die Börse aber nicht funktionieren und so sollten Blasen zumindest ein bisschen planbar sein – besonders für die Banken – die größten Spieler mit der besten Erfahrung an der Börse.
Das sie planbar sind mache ich daran fest, dass Banken ziemlich aktiv einzelne Anlagemöglichkeiten anwerben. Zuletzt war es „Kaufen Sie Immobilien, das wird auf ewig sicher sein. Wir können auch Kredit.“. Nun mit Niedrigzins lohnt sich Kredit nicht mehr so ganz und aus den Immobilien ist ein „Investieren Sie in ETF’s! Wir haben extra die Ordergebühren verringert.“ geworden.
Es wäre aber jetzt wildeste Spekulation zu behaupten, dass ETFs die nächste Blase erzeugen würden. Zumal niemand sicher wissen kann ob und wann, es sei denn Banken steuern dies aktiv als Verbund – und genau das kann man auch aus dem Marketing und dem Vertrieb von Banken ziemlich transparent erkennen.

Übrig gebliebene Fragen

Es ist ganz klar, dass klassische Banken höhere Kosten haben als Direktbanken. Es ist mir allerdings unverständlich warum klassische Banken den dann doch günstigeren Weg alles irgendwie Online zu verwalten nicht machen möchten. Ich muss für einige Kontoänderungen an den Schalter. Als Pendler praktisch nur mit einem Urlaubstag machbar. Aufgrund der kurzen Öffnungszeiten der Schalter (weil der Betrieb ja so teuer ist) muss ich dazu auch u.U. in Filialen die ich bis dato nicht einmal kannte. Dann ist wieder alles neu und ungewohnt, die Personen sind anders, sind vielleicht bei nicht ganz so detailliert ausformulierten Fragen nicht ganz so hinterfragend wie andere Berater, und und und. Ich meckere jetzt auf hohem Niveau, aber wenn man einen Bankbesuch ähnlich wie einen Arzttermin planen muss um z.B. in zwei Minuten am Schalter ein tägliches Bargeldlimit zu ändern läuft irgendwas falsch.
Direktbanken sind bemüht online alle Informationen zu geben die man braucht. Das schafft unter anderem auch die notwendige Transparenz und Vergleichbarkeit. Man kann Kunden sicherlich auch mit Psychotricks in Beratungen zum Sparkassen Brokerage bewegen, bis diese dann feststellen, dass die üblichen Gebühren der Sparkasse für Brokerage ungefähr das drei- bzw. vierfache der Direktbanken sind. Dann greift die Wechsel-Faulheit der Menschen und alles ist paletti – für die Bank, nicht für den Kunden.

Warum können sich klassische Banken den Verlust den sie durch das EZB-Nullzins-Geldparken laut eigenen Aussagen haben nicht durch den Handel oder durch die Börsen refinanzieren? Die Banken scheinen nicht mehr das Ziel zu haben ihren eigenen Geldbestand ohne Neukunden zu vermehren, sondern lediglich nur noch ihre Eigenkosten zu decken.

Was genau ist an einem Girokonto (z.B. der Sparkasse) so teuer wie bei Direktbanken das Versicherungsset z.B. von N26 Black? Warum können Direktbanken für das Geld eines „klassisch-Bank“-Girokontos das bieten, was man sonst nur in den höchsten Kontomodellen für gut und gerne mal 200€ im Jahr bekommt?

Bose QuietControl 30: Lautstärkeregler für die Außenwelt

Vorab sei gesagt – das hier ist mein erster vernünftiger Kontakt mit Noise Cancelling, in meinem Stamm-MediaMarkt hatte ich mal die QC25 von Bose auf und ein netter Mitarbeiter wechselte sofort die Batterie damit ich diese testen konnte. Die QC25 habe ich sofort wieder abgesetzt nachdem der Schalter fürs Noise Cancelling umgelegt war…
Ich fühle Noise Cancelling irgendwie. Sobald die QC25 unterdrückt hatten, bekam ich ein Gefühl als ob mir jemand einen Wattebausch in die Ohren geschoben hätte – außerdem verschob sich das Tonsignal so sehr, dass man schon glauben könnte Dr. Dre von den Beats hätte seinen obligatorischen Equalizer zwischen geschoben…
Ganz weg von Cancelling wollte ich aber nicht, dafür ist das Konzept dann doch zu attraktiv.

Mit den QC30 von Bose wurde dann das Noise Cancelling regelbar. Angeworben wird tatsächlich ein Lautstärkeregler für die Außenwelt, was nie so ganz stimmen kann und auch nicht stimmen wird.

Antischall

Das was die Kopfhörer letztendlich machen ist auf den ersten Blick eine recht simple Angelegenheit. Mikrofone zeichnen alles auf, was in der Umwelt so an Krach ist und senden das gleiche als invertierte Schallwelle wieder durch Lautsprecher ab. Interferenz zwischen zwei Schallwellen entsteht und beides gleicht sich mehr oder weniger stark aus und ist dann eben keine so starke Schallwelle mehr wie sie ursprünglich mal war.
Das schwierige an der ganzen Angelegenheit ist jetzt den Antischall genau so zu produzieren wie der Schall in den Mikrofonen ankam oder diesen so zu produzieren, dass er genau dem entspricht, was nach der mechanischen Schallunterdrückung der Kopfhörer noch existiert.

Gehen wir mal davon aus, der normale Geräuschpegel würde konstant einer Sinuskurve entpsrechen. Das tut er eigentlich nie, aber der Antischall dazu wäre das genaue Gegenteil.
Hier gezeigt der Schall als blaue Kurve f und der perfekte Antischall dazu als rote Kurve g. Beide Schallwellen treffen sich, Intereferenz, und beide Schallwellen ergeben addiert dann nur noch eine gerade Linie h (hier grün dargestellt).

Antischall vereinfacht dargestellt

In den seltensten Fällen funktioniert das so perfekt und vor allem kommt dann auch noch Musik vom Smartphone hinzu. Außerdem muss Bose erraten wie viel ihr von der f-Kurve (den Außengeräuschen) tatsächlich noch durch die mechanische Geräuschunterdrückung der Kopfhörer noch hört. Da das bei jedem Menschen anders ist kann Antischall meines Erachtens nie perfekt funktionieren. Ob Noise Cancelling also besser oder schlechter ist hängt immer von der Person ab die es erlebt. Ohne ähnlichen Aufwand wie mit Hörgeräten kann Noise Cancelling also keinen Idealpunkt erreichen – und selbst Hörgeräte sind nie ganz perfekt.

Das merkwürdige am Antischall

Der Antischall scheint zumindest bei mir immer mit irgendwelchen Gefühlen verbunden zu sein. Die kurz aufgesetzten Bose QC25 Kopfhörer im Markt setzten sich gefühlt ganz anders auf als sie vorher waren. Außerdem hatte ich das Gefühl mir würde permanent jemand ein ausgefranstes Wattestäbchen im Ohr drehen – was zumindest ich ziemlich unangenehm fand.

Die QC30 fühlen sich anders an. Nicht mehr so unangenehm wie die QC25 und vor allem durch die App und die Fernbedienung in Stufen einstellbar.
In der höchsten Stufe habe ich das Gefühl dass sich die Ohrstöpsel tiefer in den Gehörgang ziehen, was blöderweise meistens in den Momenten besonders stört, bei der man die Geräuschunterdrückung eigentlich braucht. Leicht heruntergeregelt ist die Unterdrückung allerdings gut und fühlt sich nicht mehr so stark an wie es auf der höchsten Stufe ist.

Wer häufig gähnt oder einmal wie zum Druckausgleich kräftig in die zugehaltene Nase pustet wird dann interessiert feststellen, dass man in dem Zustand unter Umständen den Antischall hört – ziemlich interessant in einigen Situationen.

Was kann der Bose-Antischall perfekt?

  • Straßenverkehrsgeräusche bis hin zur 50er-Zohne, so ziemlich alles bis hin zum lautesten LKW. Bis auf die LKW-Bremsen an Ampeln.
  • Geräusche innerhalb eines fahrenden Zuges. Die erste Klasse ist perfekt ruhig. In der zweiten Klasse sind allerdings bei besonders vollen Zügen noch Stimmen erahnbar, weil sich hier jeder versucht mit der eigenen Stimme zu übertönen. Es ist aber auch mit Mühe nicht mehr erkennbar was genau gesprochen wird.

Was kann der Bose-Antischall nicht so perfekt?

  • Gleiche 50-er Zohne, nur mit nasser Straße: Die Motorgeräusche selbst sind so gut wie weg, allerdings hört man das eher hellere Geräusch der Reifen auf der Nassen Straße weiterhin, zwar leiser als ohne Kopfhörer, aber auch durch Musik hindurch erkennbar.
  • lautere Stimmen, insbesondere spielende Kinder oder Babys die sich bei Ihrer Mutter bemerkbar machen möchten.
  • Bahnsteig-Geräusche wie z.B. ein einfahrender Zug. Allerdings ist die Musik im Gegensatz zum ausgeschalteten Antischall klarer zu hören, selbst wenn gerade ein Güterzug durchfährt. Fahrende Züge hört man weiterhin, die Gespräche am Bahnsteig oder stehende Züge sind allerdings relativ gut unterdrückt.

Was kann der Bose-Antischall nicht?

  • Fahrtwindgeräusche. Sie klingen anders, sind aber genau so störend wie sonst auch immer – und vor allem sind sie als Antischall ebenso laut wie eine beim Radfahren ans Ohr gehaltene Strandmuschel.
  • Geräusche die beim Anfassen der Ohrstöpsel entstehen bzw. Geräusche die durch eine reibende Regenjacken-Kapuze entstehen.

Alles in Allem vergleiche ich den Antischall gerne mit individuellem Gehörschutz. Besonders Gehörschutz für Musiker dämpft jede Tonlage gleichzeitig und regelmäßig ab, während die Bose Kopfhörer hier selektiv vorgehen und auch hörbar einzelne Tonhöhen unterdrücken können. Welche das sind entscheidet dann die Elektronik anhand des Mikrofonsignals.

Die App

Bose Connect
Bose Connect
Developer: Bose Corporation
Price: Free
  • Bose Connect Screenshot
  • Bose Connect Screenshot
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Bose Connect
Bose Connect
Developer: Bose Corporation
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Bose meint über die App sei der Antischall stufenlos regelbar. Man hört allerdings die Stufen deutlich raus, auch wenn der Regler in der App an sich stufenlos hin und her wischbar ist. Schlussendlich sind die gleichen Stufen der Kabel-Bedienung auch in der App einstellbar.
Blöderweise sind das so ziemlich die einzigen Funktionen der App. Es gibt ebenfalls eine Funktion um die Musik von einem Smartphone auf bis zu zwei Kopfhörern gleichzeitig abspielen kann. Aufgrund des hohen Preises der Hörer wird das allerdings eher selten vorkommen, zumal der QC30 der erste Inear-Bluetooth-Kopfhörer mit Noise Cancelling von Bose ist.
Die App selbst bleibt also faktisch nur für das Firmware-Update, welches man initial einmal machen sollte. Ich schätze aber dass es relativ wenige weitere Firmware-Updates von Bose geben wird. Danach ist die App nur ein Noise-Cancelling-Regler, der die abgespielte Musik ebenfalls anzeigt.

Hear-Through

Bose vermeidet den Begriff eher (vermutlich auch wegen irgendwelchen Namensrechten anderer Hersteller), hat eine ähnliche Funktionen. Wird der Antischall auf die Hälfte heruntergeregelt klingen die Bose QC30 in etwa so als hätte man normale Kopfhörer auf. Ich habe das Gefühl, dass unter 50% Antischall-Lautstärke die Mikrofone anfangen Außengeräusche zu verstärken und dann, je nach Einstellung immer lauter werden. Ohne Antischall – also mit voller Lautstärke-Verstärkung durch die Kopfhörer – klingt die Außenwelt allerdings deutlich verstärkt. Letztendlich sehe ich darin auch Vorteile. Man hört jede einzelne Klimaanlage und Lüftung und eigene Schritte sind deutlich lauter. Es entsteht dadurch aber erst einmal ein Gefühl für die Geräusche die das menschliche Gehirn normalerweise eh schon gut rausfiltern können sollte.

Der Klang

Klanglich kann ich Noise Cancelling Kopfhörer momentan noch nicht vergleichen. Das Cancelling muss den Ton vom Konzept her verändern um Außengeräusche zu verhindern. Meinen Erfahrungen nach sind die Kopfhörer stark basslastig – vermutlich weil im Mittelton-Bereich bei meinen Verkehrswegen der meiste Antischall stattfindet. Das Internet schreit einen allerdings in vergleichbaren Tests förmlich mit Basslastigkeit von Bose an. Zum alltäglichen Hören oder besonders für Pendlerfahrten in der Bahn sind die QC30 also gut geeignet, wer Wert auf Klang legt sollte sich eher im günstigen HiFi-Bereich umsehen, die Bowers&Wilkins C5 klingen z.B. deutlich differenzierter und klarer, sind aber bzgl. Geräuschunterdrückung das komplette Gegenstück zu Bose.

Der Ton ist in etwa vergleichbar mit Kopfhörern um die 50-80€ oder den Xiaomi Piston-Kopfhörern. Den Aufpreis zahlt man also fast ausschließlich für das sagenumwobene Noise Cancelling von Bose. Man erkennt meines Erachtens auch am Klangbild dass der Hauptfokus auf dem Antischall lag.

Das Mikrofon zum Telefonieren wird von mir nicht betrachtet, da ich es nicht nutzen werde. Ich nutze die Kopfhörer nicht als Headset und das wird voraussichtlich auch so bleiben. Zur Telefonie habe ich in den Bluetooth-Einstellungen von Android einfach das Anruf-Audio ausgeschaltet.

Der Aufbau

Bluetooth-Inears müssen immer irgendwo eine Batterie haben. Meistens hängt diese dann mittig am Kabel oder ist bei modernen Kopfhörern wie denen von Anker namens „Zolo“ direkt im Hörer verbaut. Für die versprochene Laufzeit von 10 Stunden inklusive Antischall benötigt es aber weitaus mehr Strom, was den Kopfhörer nur unhandlich machen würde. Die ganze Elektronik ist bei den QuietControl in einer Art Halsband untergebracht. Das zieht insbesondere über T-Shirts und Hemden immer mal Blicke auf sich, die sich aber dann relativ schnell klären. Grundsätzlich ist das ungewöhnlich und fühlt sich als Umsteiger von Kabelgebundenem eindeutig erst einmal komisch an. Man braucht ein gewisses Maß an Vertrauen in dieses „Halsband“ um nicht ständig mit den Händen den Sitz vergewissern zu wollen.

Grundsätzlich liegt das Band aber stabil auf dem Hals und verrutscht nicht großartig. Einzig und allein beim zeitsparenden Sprint von der Bahn zur Straßenbahn verrutscht das Band so, dass man den Sitz nachjustieren muss um wieder entsprechende Kopfbewegungsfreiheit zu haben. Hier wären eventuell längere Kabel und Mechanismen wie bei den LG Tone Infinim Kopfhörern sinnvoll. Dank der Mikrofone in den Kopfhörern sind die Kabel allerdings entsprechend dick, weshalb ein Einzieh-Mechanismus nur den Verschleiß befördern würde.

Unter der Jacke kann der Bügel allerdings verschwinden ohne zu verrutschen.

Die Fernbedienung am Kabel ist besser als andere vergleichbare. Sie ist höher als bei vielen anderen Headsets und auch aus dem Augenwinkel nicht mehr zu erkennen, allerdings sind die Tasten deutlich fühlbar und unterscheidbar, was eine Blindbedienung ohne viel Übung ermöglicht.

Die Ohrteile selbst sind unerwartet groß, müssen dies aber dank der Mikrofone auch sein. Durch die Silikonteile, die man laut Anleitung eher in den Gehörgang hineindrehen anstelle von -stecken soll, sitzt aber alles fest und fühlt sich bis auf die Nebeneffekte durch den Antischall auch auf längere Zeit angenehm an.

Fazit

Als aktuellstes Modell von Bose scheinen die QC30 eindeutig aufs Noise Cancelling ausgelegt worden zu sein. In der Klangqualität sollte man nicht allzu hohe Ansprüche stellen, was im Preisbereich von aktuell ca. 200€ bis 230€ sicherlich für viele nicht ganz einfach sein wird. Hier sollte man bedenken dass man das Topmodell des Marktführers im Noise Cancelling kauft und eher den Zweck anstelle den Ton betrachten. Nichtsdestotrotz klingen die Kopfhörer vergleichbar gut, können aber mit u.U. günstigeren High-End Inears von Shure oder Bowers & Wilkins nicht mithalten.
Laut Preisverlauf scheint ein Preisfall allerdings jedes Jahr einmal stattzufinden. Wer also geduldig ist und seine Vorfreude lange hinauszögern kann, kann hier warten.
Für das gute Noise Cancelling, welches einem etwa gleich bepreisten individuellem Gehörschutz in nichts nachsteht sind die 200€ allerdings gut investiert.