Einfach mal raus, trotz Corona – Ins Hilton in Berlin

Ehrlich? Jetzt fängt er an über Hotels zu bloggen?
Ja, vielleicht. Ich war Ewigkeiten nicht weg und dank Corona ging es dann eine ganze Zeit auch nicht mehr. Da musste ich mal wieder raus. Die Zahlen steigen, München und Bayern „riegeln ab“. Okay, das ist übertrieben. Eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen ist nur der leise klägliche Versuch irgendwas gegen Corona zu unternehmen. Welcher vermutlich auch erfolgreich sein wird…

Und wohin verschlägt es mich? Berlin – die Stadt die ich liebevoll „dreckig“ nenne zieht mich magisch an. Nicht nur weil sie größer ist – und seit zwei Jahren nicht einmal mehr weil dort die IFA ist (die man wegen Corona dieses Jahr ja sowieso ausfallen lassen konnte).
Was tue ich also? Ich nehm die Beine in die Hand und besuche das Hilton in Berlin.
Als kleine Einleitung sei auch gesagt: Ich kenne 5-Sterne Häuser nur als Kind, und dann gleich als Ressort-Variante. Ich kann mich also an ein gewisses Service-Level erinnern (selbst an eines mit Butler-Service der uns Kinder im Frack im Golfcaddy durch die Anlage fuhr) – aber die Erinnerungen sind wie zu erwarten, eher die freudigen Erinnerungen eines Kindes. Damals sieht man die Welt natürlich aus ganz anderer Perspektive.

Ein zugegeben schneller Schnappschuss des Hotelzimmers. Raumklasse: Executive Room.

New Normal

YHBU (You have been upgraded) von dem Boardingarea-Verbund nennt es eigentlich ganz passend „New Normal“. Warum ich das passend finde? Es ist nicht unbedingt normal, aber man versucht normal zurückzukommen. Besonders die Branchen die von internationalen Kunden leben – was ja nun mal eben Hotels und Fluglinien sind – versuchen die Normalität – und diese ist durch Corona ein wenig, im Falle Hilton nur ganz leicht anders.

Anreise

Die Bahn war nicht besonders voll. Allerdings kenne ich das von der Strecke in der First Class aber auch nicht anders. Die zu reservierenden Sitzplätze waren deutlich eingeschränkter, im Zug selbst konnte man aber auch kein System erkennen. Hier versucht die Bahn also schon für Sicherheit zu sorgen.
Am Bahnhof Maskenpflicht, im Zug Maskenpflicht. Aber sonst ist alles normal. Der Schaffner brüllt einen an, dass man den Komfort-Checkin genutzt habe und der Kellner fragt höflich ob er denn etwas bringen könne. Ganz wie man es gewohnt ist – nur mit Leuten die Maske tragen. Die DB Lounge kann ich nicht bewerten, nach der Coronakrise hat die Bahn diese (bzw. Fahrkarten mit Zutrittsberechtigung) extrem verteuert. Der seit Jahren befürchtete „Flexpreis-only“ wie man es in Hamburg trainierte ist eingetreten. Meiner Meinung nach zu viel gebundene Lohnkosten für Arbeit an sehr wenigen Gästen, aber ich habe keinen Einblick auf die Fahrgastzahlen pro Ticketkategorie um dies bewerten zu können. Hallo Bahn? Wie wäre es mit Open Data?
In Berlin selbst geht es dann sowieso ganz anders weiter. Dank Lime, Circ, Bird, Nextbike, Donkey Republic und ein bis zwei Dienste dessen Namen ich gar nicht mal kenne gibt es genügend Zwischenschritte zwischen Öffi und Taxi um nicht unbedingt längere Zeit von Menschen umgeben zu sein. (Protip, ohne Werbung: Nehmt die Bird-Scooter – Ich setz hier auch keinen Freundewerben-Link)

Clean Stay

Hilton wirbt groß mit ihrem „Clean Stay“ Programm. Sie wischen nun mal eben Türklinken ab und schauen auch mal dass sie in den Schubladen wischen. Wenn man es umgekehrt betrachtet finde ich das eigentlich ein bisschen sonderbar. Was man damit impliziert ist, dass man es vorher nicht so gemacht hat. Es nicht so zu tun halte ich für ein Fünf-Sterne-Haus doch etwas vernachlässigt. Okay – Desinfizierendes Reinigungsmittel hin oder her. Das ist schon mal besser als normales, aber ehrlich gesagt hätte mir normales auch gereicht. Die Sticker an der Tür sind dann in meinen Augen nur für den Wohlfühlfaktor. Ein Siegel welches man bricht wenn man das Zimmer betritt – kleiner „oho“-Moment – mehr aber auch nicht.

Einschränkungen

Zum Repertoire eines Fünf-Sterne-Hauses nach DEHOGA gehören neben den 24/7 Rezeptionen und dem Restaurant nun mal eben auch ein Pool – ideal auch ein ganzer SPA-Bereich. Beim riesigen Hilton in Berlin ist das nicht anders. Der Pool ist neben voller Wellnessausstattung vorhanden.
Während des Checkins wird man informiert, dass man sich gegeben der Situation für den Trainingsraum und den SPA-Bereich anmelden müsse – das ist gut und richtig so.
Letztendlich ist der Zugang nach der Anmeldung bei der Concierge-Nummer aber wie immer – wie auch bei den Fahrstühlen die erst nach Zimmerkarte losfahren, ist auch die SPA auf dem gleichen Weg zu erreichen (wenn auch über einen eigenen Fahrstuhl).
Ich kann die Massageprogramme hier nicht bewerten, da ich diese nicht nutzte. Generell war aber im SPA auch nur der Trainingsbereich und der Pool offen. Umziehen muss man sich auf dem Zimmer – so die Rezeption.
Gut – mit einem etwas peinlichen Gefühl in Bademantel und Badehose durch die langen Gänge im 1990er Design zu spazieren geht immer nur mit einem leichten Peinlichkeits-Gefühl, aber ganz auf den Pool und vor allem die Trainingseinheit wollte ich dann doch nicht verzichten. Ich gebe schließlich nicht ohne Grund mehrere hundert Euro pro Nacht aus und wählte das Hotel, weil ich eben nicht mit Zugang zu deutschlandweitem Fitness-Verbund gesegnet bin.

Das Dampfbad ist zu, der gesamte Saunabereich ebenfalls. Das alles während deutschlandweit sämtliche Fitnessstudios die Saunen wieder öffneten – auch das immer währende Schlusslicht Bremen. Alles unter Einhaltung des Mindestabstands und begrenzter Personenzahl.
Im Fitnessraum sind einige Geräte dank des Mindestabstands gesperrt – so ist es ja auch im Fitnessstudio – blöderweise auch der Trinkbrunnen – Wasserflaschen oder zumindest einen Wasserkrug mit Gläsern suchte ich als passenden Ersatz aber vergebens. Wild ist das aber nicht, sobald man einen Status bei Hilton erreicht hat gibt es ja sowieso Wasserflaschen im Zimmer inklusive.

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich kann verstehen, warum die Sauna mit ihren Immunsystem fördernden Eigenschaften zu ist – aber es hätte meines laienhaften Wissens nicht sein müssen. Ob es jetzt aber einigen Aufwand benötigt einen vollen SPA-Bereich (der bis auf die Massagen sowieso immer ziemlich Selfservice war) wieder hochzufahren weiß ich allerdings nicht. Hier können wir also nur raten.

Nahrung

Das Frühstück ist wie eh und je, das Restaurant hat offen, der Executive Club hat abends sein Buffet, die Minibar (übrigens 29 € für die komplette Minibar, wenn man sich bevor man dessen Inhalt kennt, für sie entscheidet) ist voll und der Concierge hätte sicherlich bestelltes Essen vom Restaurant Mark Brandenburg aufs Zimmer gebracht. Bezüglich der Nahrungsaufnahme ist alles wie erwartet und an sich unverändert. Man wird zum Frühstück an einen Platz verwiesen und sollte wie sonst auch immer, wenn man unvermeidbar in die nähe mehrerer Leute kommt seine Maske tragen.
Es gibt zum Stand September 2020 nun wirklich keine merkbaren Einschränkungen bezogen auf die Möglichkeiten zu Essen. Vielleicht sind wegen des Abstands weniger Tische verfügbar, merkbar war das allerdings nicht – hier sieht man dass man sich Gedanken gemacht hat.

Executive Lounge

Ganz davon abgesehen ob das überhaupt irgendeinen Sinn macht. Ein Buffet mit Fingerfood, Kaffee und Getränken. Auch hier wenig Einschränkungen. Klar – es ist ziemlich wenig los. Von den wenigen Reisenden haben vermutlich noch weniger den Gold-Status (selbst ich habe ihn ja nicht und habe Zutritt über die Zimmerkategorie) und so ist die Lounge vergleichbar mit einer Business-Lounge eines Flughafens. Nichts Weltbewegendes, aber ein Rückzugsort zum Arbeiten und für Gespräche in guter Atmosphäre. Auch in der Executive Lounge gab es beinahe den gleichen Service wie beim Frühstück, leere Teller waren fast unbemerkt abgeräumt worden, selbst wenn man am Platz saß und den Teller dort gerade hingestellt hatte.
Wie bereits erwähnt sehe ich hier keine großen Einschränkungen. Klar – man füllt seine Zettel aus und die Tische sind nummeriert – aber mal unter uns, wer hat sich daran denn nicht bereits gewöhnt? Jetzt geht es mehr darum den Leuten beizubringen, dass darauf auch wirklich echte Kontaktdaten geschrieben werden müssen, um Probleme in den Gesundheitsämtern durch nicht nachvollziehbare Infektionswege endgültig auszumerzen.

Die Leute müssen sich richtig verhalten

Ich sage bei dem Corona-Thema immer, man muss eine gesunde Vorsicht walten lassen. Gegen das Verreisen, auch in Städte mit deutlich höheren Infektionszahlen (sofern halt nicht München oder die Regierungen wieder direkt in Lockdown gehen) finde ich prinzipiell nichts auszusetzen. Man muss darauf achten sich selbst zu schützen. Dazu gehört es auch vor dem Brandenburger Tor mit Maske durch Menschengruppen zu „scootern“.

An Ecken und Kanten sieht man aber auch dass es „Covidioten“ gibt. Hinterm Brandenburger Tor ein Musik-Bulli – massiv durch die Polizei beobachtet. Davor an die 80 Menschen – tanzend ohne Maske. Kann man machen, man sollte sie auch lassen – aber man sollte dort auch nicht mitmachen und genau dort Abstand wahren.

Schlussworte

Im Allgemeinen kann ich das Hilton schon empfehlen, auch bei Corona. Wer darauf steht, hat mit der Hilton Kreditkarte eh Zutritt zur Lounge. Sonst sollte man sich gerade bei den Bonusprogrammen immer vor Augen halten, dass alles nichts unbedingt Weltbewegendes ist. Ein Upgrade, wenn man es denn im Status hat, kann das Zimmer im 1. Stock, statt im Erdgeschoss sein und auch sonst hält sich der Vorteil bis zum Höchststatus eher in Grenzen. Klar, Hilton ist jetzt nicht Best Western, auch im Bonusprogramm nicht. Aber hoch Loben kann man den doch recht schnell erreichten Goldstatus nicht unbedingt.
Die Berliner Hilton’er haben sich Gedanken gemacht und ein Maß gefunden, dass in meinen Augen gut geeignet ist. Man könnte die SPA-Umkleiden wieder öffnen und auf die Gäste vertrauen den Abstand einzuhalten – das eigene Zimmer ist gerade wenn die Umkleide dann doch vorhanden ist irgendwie suboptimal.
Der einzige wirkliche Negativ-Punkt, den ich aufbringen könnte, ist der komplett wasserlose Trainingsraum, aber auch da könnte man den Concierge sicherlich um ein paar Flaschen bitten – oder diejenigen aus dem Zimmer nehmen die eh ab erreichtem Statuslevel inklusive sind – wenn man nicht sowieso seinen Shaker beim Sport dabei hat.
Gerade auch wegen der Lage ist das Hilton empfehlenswert – Bietet es doch alles was es für fünf Hotelsterne braucht genau da wo auf jeder Karte dick und fett „Berlin“ gedruckt steht.
Es hat seinen Preis, den manche Leute sicherlich leicht überzogen finden – aber genau das ist es ja, was das immerwährende Personenklassen-System in der menschlichen Geschichte trennt. Für einen vollen Betrieb inklusive Lounge und Wellness finde ich den Preis angemessen, aber auch im Hinblick, dass ich für diesen „New Normal“ Stay äußerst kurzfristig gebucht habe.