Was für ein Ziel hat die DKB mit ihrer Hilton-Karte?

Ihr kennt sicherlich die Kreditkartensituation in Deutschland. Besonders im Vergleich mit den USA sieht es hier sehr sehr mau aus. Die Banken klammern sich an ihr SEPA und verpassen damit sowohl die Globalisierung als auch die Wünsche der jüngeren Generation.

Weil sie sich so an ihr altgewohntes SEPA klammern (Böse Zungen mögen es weiterhin EC oder GiroCard nennen) ist die ganze Story mit den internationalen Zahlungen völlig ausgeklammert worden. Man erkannte dass PayPal immer mehr Aufwind bekommt, der prinzipiell darin begründet ist, weltweite einfache Zahlung anzubieten. Man merkte dass die damit erfolgreich sind und machte aus Giro und dem System mit Bankleitzahlen die Single European Payment Area. Europaweit einheitliche Zahlungen in einer Zeit in der sich die Airlines gegenseitig in den Flugpreisen unterbieten und die Chinesen mit Vollgas aus China den deutschen Einzelhandel preislich unterbieten…

In einer solchen Zeit auf SEPA zu setzen kann eigentlich nur schief gehen, wenn nicht nächstes Jahr, dann halt übernächstes…

Vergleichen wir das ganze mal mit Amerika. Man sagt auch immer dass dort das Bargeld schon immer ausgestorben war. Weil es ja zu teuer ist wollen das die Banken ja auch hier nicht mehr so gerne ausgeben.

Ein Werbebanner der Hilton Karten-Homepage. Link führt zur Homepage der Kreditkarte.

Das Problem ist hier nun, schaut man sich nach Kreditkarten um wird man aller Wahrscheinlich nach bei Santander „1Plus Visa“ landen (das hier ist keine Werbung, probiert es doch einfach selbst in dem ihr sucht welche Kreditkarte ihr euch so wünschen würdet)…

Die 1Plus Visa ist mit Fallstrick versehen. Wenn du nicht manuell Kontosalden ausgleichst fällst du ohne sämtliche Information in einen sehr teuren Teilzahlungsvertrag – damit refinanziert Santander anscheinend erfolgreich das 1Plus Projekt.

Will man etwas mehr und orientiert sich am amerikanischen Markt, dann landet man bei der Hilton Kreditkarte von DKB. Hilton Gold Status und damit Zimmerupgrade, Gratisfrühstück und hastenichgesehen…
Das ist das wahrhaft einzig amerikanische Produkt auf dem deutschen Bankenmarkt.

Kostenlos gibt es die Hilton Karte aber nicht. Aber eben für 48€ im Jahr – was zugegebenermaßen sehr sehr günstig ist – selbst die Sparkassen verlangen deutlich mehr für ein angestaubtes SEPA…
Das ist aber nicht das einzige, irgendwie muss sich auch DKB refinanzieren können und anscheinend klappt dies selbst mit den 48€ und den Gebühren für Bargeldabhebung und Auslandszahlung immer noch nicht (Hallo Santander, könnt ihr der DKB mal einen Businessplan schreiben?).

Irgendwie muss man sich refinanzieren und das geht  nur wenn der Kundenstamm eingeschränkt wird. Durch die große Auswahl an Auskunfteien hat die DKB dazu auch die beste Möglichkeit.

Stellen wir uns also mal vor, was eine DKB brauchen müsste: Häufige Transaktionen in möglichst hoher Summe im Ausland. Deshalb ist die Hilton Karte ja auch an das Hotelprogamm angebunden.
Nun kann halt auch nicht jeder den Bedarf der DKB decken.
Das vergeben eines sehr niedrigen Verfügungsrahmens hat also keinen Sinn.

Folglich dürfte die DKB Kunden mit niedrigem Einkommen die Karte schon per se verweigern.
Die übliche Kundschaft eines deutschen Hilton-Hotels dürfte eher wohlhabender sein, daher sucht man sich vermutlich die zahlungsfähigeren Kunden um über diese mit den Händlergebühren beim Einsatz der Karte größere Gewinne durch die Händlergebühren einstreichen zu können als bei den Durchschnittslöhnern.

Viele kleine Transaktionen bringen zwar viele Händlergebühren zu einem niedrigen Prozentsatz, wenige höhere Transaktionen allerdings größere Prozentsätze.

Habt ihr also einen Lohn der wie man seit der aktuellen Politikspanne so nett „am Mindestlohn orientiert“ ist dürfte es ziemlich erfolglos sein sich überhaupt die Mühe zu machen die DKB zu fragen.
Aufgrund des Bankengeheimnisses wird die DKB euch zwar nicht sagen können warum, aber ohne erledigtes PostIdent kann den Daten der Auskunfteien an die DKB auch nicht vertraut werden.

Anders könnte es sich verhalten wenn ihr das DKB Girokonto als Abrechnungskonto verwendet, hier ist die Chance höher dass ihr vergesst dieses ausreichend aufzuladen um euren Kreditsaldo abzubezahlen und damit hat euch die DKB ähnlich des Santander 1Plus Fallstricks in die teure Teilzahlung gezwungen und kann euch womöglich auch noch wegen nicht ausreichender Deckung für die erste Teilzahlung ein Zahlungsverzugs-Verfahren mit Zusatzgebühren auf den Hals hetzen.

Alles in allem bietet die Hilton Kreditkarte natürlich viele Vorteile, allerdings unter der Hand nur an diejenigen, die z.B. ein Eigenheim oder regelmäßige Eingänge aus erfolgreichen Aktiengeschäften oder Vermietungen aufweisen können.
Für die Jugend, die vielleicht das Reisen entdeckt und sich dank fallender Flugpreise auch leisten kann hat man allerdings seine zukünftige Kundengruppe verloren.
Der Schnittpunkt aus Ausgabekriterium und Höhe des vergebenen Kreditrahmens muss sich immer wandeln, ansonsten geht man wie SEPA irgendwann unter.
Ein junger Stundent wird sich die Karte und damit die Hilton-Stays für seinen einen Jahresurlaub schon leisten können, wird aber dank konkurrierender, besserer Debit-Produkte auf dem Markt diese auch bei der gewählten Bezahlmethode bevorzugen, trotzdem wird er dank der Hilton Karte DKB Kunde bleiben wollen.
Das ist bei aktuellen Business-Trips der Wirtschaftsbosse natürlich anders, aber beides muss früher oder später bedient werden.

Gedanken über Yomo und die Zukunft der Zahlungssysteme

Yomo, Fidor, N26 oder DKB, jede Bank versucht momentan irgendwie innovativ zu bleiben. Man hat viel zu spät festgestellt dass sich Deutschland viel zu fest ins Giro-System gefahren hat und hält nun dank PayPal und co nicht mehr mit den Innovationen mit.
Das ist ohne Zweifel ein Problem für jedes Geschäft, unabhängig worum es geht. Besonders schädlich fürs Giro-System ist die stetig fortschreitende Globalisierung, und damit ein Bedarf an immer internationaler werdenden Zahlungssystemen. Per Konzept könnte Giro das, SEPA und Giro haben sogar bedeutende Vorteile gegenüber anderen Systemen. Es ist nur eben nicht international adaptiert worden.

https://pxhere.com/en/photo/1382484

Jetzt ist man also am Zug und stellt fest dass der Zug von vorgestern tatsächlich pünktlich abfuhr.

Yomo als Projekt der Sparkassen. N26 als verständlicherweise gescheiterte „Alles-ist-kostenlos“ MasterCard. Fidor als eigene Bank die spezielle Bemühungen z.B. mit einer Kartensymbiose aus Maestro-Giro und MasterCard darstellt. DKB die inzwischen aktiv versuchen MasterCard wie von Giro gewohnt günstig zu machen. All das sind Projekte die versuchen die Kinder von heute irgendwann zum Konto zu bringen.

Eines Tages hörte ich einen Grundschüler im Bus wie toll es doch sei im Internet auf AliExpress Spielzeuge zu finden und dann auch zu bekommen.
AliExpress sitzt einmal auf der anderen Seite der Weltkugel, ist also absolut nichts fürs Giro-System. Dass es in dem Alter verständlich ist, dass es nur über Papa’s Karten und mit seiner Zustimmung geht ist auch klar. Spätestens aber wenn dieses Kind mit 14 oder 16 Jahren sein eigenes Konto eröffnen kann ist er längst gewohnt dass seine Spielzeuge eben ein- bis zwei Monate benötigen bis sie eben da sind. Er wird aber schmerzlich feststellen dass es auf eigene Faust immer noch nicht möglich ist, solange das Zahlungssystem so bleibt wie es in Deutschland nun mal eben festgefahren ist.
Wäre dieses Kind heute älter hieße diese Methode dann PayPal. Die Banken haben damit mal wieder verloren. Sie bewahren zwar das Geld, aber PayPal wäre zwecks der Währungsumrechnung immer größer und immer mächtiger. Wie es dann für eine solche Firma üblich ist hat man dann sicherlich erstreben auch das Bewahren von Geld insgesamt zu übernehmen. Damit hätten die Banken wie wir sie kennen ein Produkt weniger und sind nur noch dafür da Aktiengeschäfte die aus einem PayPal-Fundus gefüttert werden zu erledigen.

Des Rätsels Lösung ist also meines Erachtens die Globalisierung der Zahlungssysteme, das hat nur blöderweise eben auch schon jemand getan. MasterCard und Visa eben.
Mit einer MasterCard kann dann ein jugendlicher auf seinem ersten Langstrecken-Flug auch mal das Hotel im Urlaub zahlen und wird nicht mit „oh, these germans – we only accept MasterCard or Visa when you haven’t booked using PayPal“ ausgelacht.
Das Ziel ist also anscheinend MasterCard oder alternativ Visa. Blöderweise kostet das eben per Konzept auch ein bisschen.

Bei jeder Transaktion zahlt ein Händler eine immer kleiner werdende Gebühr an die Bank. Sie wird immer kleiner weil selbst MasterCard verständlicherweise das Erstreben hat das Zahlungssystem und deren Akzeptanz weiter auszubreiten. Hätte ein Kioskbetreiber damals 10% für das verkaufte Sonntagsbrötchen abgeben müssen wäre die Bank zwar in goldenen Zeiten, der Kioskbetreiber hätte aber seine Mühe selbst seinen Lohn zusammenzubekommen, solange er das Sonntagsbrötchen nicht direkt 10% teurer macht.
Nun also kann man von Glück reden wenn der Händler vielleicht ein oder zwei Prozent zahlen muss. Damit steigt die Akzeptanz, da man das ohne Probleme auch in Mindestlohn-Zeiten von der angeplanten Profitspanne abziehen kann.

Genau dies war das Verhängnis vom N26-Projekt damals. Man erkannte dass Deutschland Bargeld liebt und das relativ schwer zu umgehen ist. Damals machte N26 alles von der MasterCard kostenlos. Auf meine Frage wie man denn anfallende Kosten refinanziere wenn man denn nur MasterCard anbietet kam die lockere Antwort dass das mit den Händlergebühren der direkten Zahlungen locker refinanzierbar sei.
Nun hat N26 Begrenzungen im Bargeldbezug, weil die Kosten hier eben nicht refinanziert wurden.

Also stellt sich hier genauer die Frage wie man denn den Kunden ihre Bargeld-Verliebtheit belassen kann ohne sie auf Deutschland zu binden.
GiroCard und MasterCard, bei MasterCard fallen Bargeld-Gebühren zwar unweigerlich an, dafür bei Giro eben nicht – bzw. nicht so explizit wie bei MasterCard. Bargeld ist ohnehin teuer, aber in der Regel refinanzierbar.

Genau das Konzept verfolgen momentan einige Angebote für Vielreisende. Oberhalb der 100€ Jahresgebühren kann man mit einer MasterCard in der Regel weltweit genau so umgehen wie mit einer GiroCard. Die Transaktionskosten werden hier in der Regel in voller Höhe von den Jahresgebühren gedeckt.
Um das günstiger hinzubekommen führt kein Weg an einem Kartendouble aus MasterCard und GiroCard vorbei. Durch niedrige Jahresgebühren können notfalls auch durch Bedingungen gedeckelte Fremdwährungseinsätze ohne Probleme bezahlt werden, während Giro weiterhin in Deutschland lebt.

Technisch ist das mit einer Kombination einer Debit-MasterCard ohne Probleme möglich. Die Debit-Card muss einfach nur den gleichen Geldpool ansteuern, der auch hinter einer GiroCard steckt. Beschränkt werden können die anfallenden Kosten durch Gebühren der Nutzung an deutschen Geldautomaten, bei denen die GiroCard genommen werden sollte. Bei Auslandstransaktionen können Kosten dann wenn sie in Grenzen wie z.B. Urlaubs-Typische Muster  eingesetzt werden refinanziert werden. Sei es durch Kontoführungsgebühren oder Kreuzfinanzierung eines Banken-Handels.

Yomo zumindest ist das warum auch immer weiter GiroCard gewordene Projekt der Sparkassen um die junge Kundschaft zu gewinnen.
Es könnte einige Vorteile haben, wenn es sie denn nutzen würde. Abseits des oben genannten Zusammenspiels zweier Zahlungssysteme wäre im Giro-System bereits damit geholfen wenn das Ziel eines einheitlichen Sparkassen-Kontos auch eingehalten wird.

Einheitlich bedeutet für mich dass es egal ist wo ich Geld abhebe oder einzahle. Selbst hier ist Yomo wie jede andere GiroCard auch noch regional gebunden. Vielleicht existiert dies um Geldwäsche und ähnlich dubiose Tätigkeiten zu verhindern, aber der technologische Fortschritt lässt auch andere Herangehensweisen zu, um solch Tätigkeiten zu entdecken und zu unterbinden.
Egal wo in Deutschland, da wo ein Maestro-Logo ist gebührenfrei abheben und einzahlen können. Das ist ein Schritt um den Vorteil des unbegrenzteren MasterCard-Systems hin zur GiroCard zu holen.
Klar wäre das zwischen den Banken sicherlich wegen Kabbeleien um Kostenteilung nicht ohne weiteres möglich, aber gerade die Sparkasse könnte hier als Verband trumpfen und sogar ähnliche Verbünde wie die Volksbanken dazu bewegen ähnliches zu entwickeln.

Es muss nicht alles MasterCard heißen, es muss allerdings die Globalisierung betrachtet werden. Das Kind mit Spielzeugen aus Fernost wird sehr früh kennen gelernt haben was die Globalisierung bedeutet – auch wenn dadurch drastische Einschränkungen des lokalen Einzelhandels einherschreiten. Gewerbe und Bank muss sich anpassen oder wird in Vergessenheit geraden, das ist der Kreislauf der Wirtschaft ohne den kein Fortschritt existieren kann.
Das zählt auch und insbesondere für Banken. Wer die Gedanken dahingehend vernachlässigt, der wird früher oder später auf der Wartebank landen.

Was erwarte ich also in Zukunft?

Es gibt einige Punkte und einige Kleinigkeiten die meines erachtens Banking und Bankgeschäfte weiter bringen könnten. – Vollkommen abseits des Zahlungssystem-Mix wenn man über den deutschen Tellerrand schaut.

Punkt 1: Online-Banking. Schaut euch Buhl Data an. Mit Steuersoftware seit jeher im Rennen versuchen sie seit einigen Jahren Bankingprogramme zu machen. Natürlich nicht als Bank, sondern als reines Programm. Das macht aber vieles anders.
Total schätzen gelernt habe ich kurioserweise ganz simples: Kommentare zu Buchungssätzen. So wird aus „IHRE PAYPAL ZAHLUNG AB43984987T8ABZ AN GEARB“ (weil einfach nicht mehr in den Verwendungszweck passt) ein „Der Xiaomi Bluetooth Lautsprecher“. Wäre es etwas Steuerrelevantes könnte ich für die verzahnten Buhl-Systeme auch gleich den Haken dafür setzen.
Der Verwendungszweck einer Folgelastschrift hilft oftmals absolut nicht weiter wenn du mal eben schnell wissen willst wie alt so ungefähr der gerade kaputt gegangene Lautsprecher nun war…
Und seien wir mal ehrlich, bei der Kreditvergabe wäre es doch immens hilfreich wenn man Bankintern nicht einfach nur sieht, dass jemand „X Zahlungen an einen Shop startend mit den Buchstaben GEARB“ hat, sondern detailliert was genau gekauft wurde. Man kann sich zwar nie sicher sein dass der Kommentar genau das beinhaltet, aber genau das erlaubt doch eine deutlich feinere Entscheidung wofür ein Kunde sein Geld eben so ausgibt und demnächst ausgeben wird.

Punkt 2: Ich traue den Banken schon ein gewisses Maß an Sicherheit zu, habe aber so meine Bedenken wenn ich mir vorstelle wie schwer es z.B. mein Freund hätte auch bei bekannten Personendaten in meinen Google-Account zu kommen. Er klickt dann auf „Passwort zurücksetzen“ weil er die Mail ja kennt und bekommt dann erst einmal eine Meldung „Stelle bitte sicher dass zumindest dein Smartphone in der Nähe dieses PCs ist – du hättest ebenfalls einen YubiKey im Account registriert, statt dem Smartphone könntest du mir auch Codes von diesem YubiKey geben.“
Stelle ich mir das Banking vor komme ich mit Daten die ich an beinahe jeden Shop gegeben habe und einem per Konzept kurz gehaltenen Passwort hinein. Kann dann dank ChipTAN zwar immer noch nicht viel machen, habe aber so ziemlich alles um eine Zielperson exzellent per Social Engineering anzugreifen.
Ich finde es wird so langsam Zeit für zwei-Faktor-Login bei Banking. Der Zweite Faktor ist zwar eh bei Überweisungen fällig, also warum nicht auch beim Login?
Außerdem, TAN-Listen sind unsicher, SMS- und Push-TAN ist quasi unsicher weil das generierende Gerät schließlich Netzwerkverbindung hat, bei den photoTAN-Geräten ists das gleiche.
Ich beginne sogar den VPN-Login per Token-Nummerngenerator am Schlüsselbund für sicherer zu halten als das was viele Direktbanken aktuell an TAN-Möglichkeiten bieten.
Die Banking-App des Smartphones bittet also zur Einsicht der Kontoumsätze dann halt einmal um den Fingerprint, für die Überweisungen muss dann halt kurz der NFC-YubiKey rangehalten werden und die NFC-kontaktlos-Funktion der Karte einmal eingelesen werden. Verglichen mit ChipTAN hat man dann ähnliche Sicherheit, zwar nicht auf die Überweisungsdaten gebunden, aber der Nutzer hat in dem System auch noch keine TAN eingegeben.
Yomo der Sparkassen ist komplett TAN-los (habe ich gelesen, ausprobiert noch nicht) – und genau davor gräuelt es mir. Da mag das Login-Passwort noch so sicher sein, vertippt und eine 0 zu viel und ohne jede weiteres ist eine Transaktion eben raus. Dann muss wieder aufwendig ein Rückbuchungsprozess eingeschaltet werden und so weiter. Diese Bürokratie kann man minimieren in dem man einfach nutzt was aktuell existiert. VPN-Token für den Preis eines ChipTAN-Geräts, bestehender oder neuer YubiKey, oder eben eine Symbiose aus beidem – Auf dem Desktop eine Überweisung wird abgelehnt da das mit dem Konto verbundene Smartphone nicht den gleichen Standort aufweist und (wie recaptcha von Google es ja auch macht) die Überweisungsdaten zu langsam oder zu schnell oder zu unüblich verglichen mit den letzten Eingaben eingetragen wurden.
Es ist genügend Technik vorhanden um zu bestimmen ob die Person die ist die man vorzugeben scheint, sie muss nur genutzt werden.

Punkt 3: Es gibt eigentlich genügend Projekte um die Bankkarten weiter zu betreiben. MasterCard probiert sich mit Fingerprint-Readern, Curve bündelt verschiedene MasterCards unter einer physischen Karte, aus Deutschland kommen dann so projekte wie N26, die zwar ambitioniert sind, aber für den Markt auf den sie ausgelegt sind eher ineffektiv sind, weil sie im Grunde genommen halt auch nur eine weitere Prepaid-Karte sind.
Warum verbindet man so etwas nicht und bündelt unter einer Karte mit Fingerprint statt PIN nicht wie Curve z.B. auch Girocards an? Eine MasterCard-Nummer rechnet per Debit-Verfahren bei einer Bank ab – Abrechnung dann wie als hätte man seine GiroCard verwendet.
In Amerika sind Burner-Cards für Online-Zahlungen gang und gebe – hierzulande sitzen wir halt auf unserer MasterCard Nummer, einmal-Zahlungsdaten ähnlich privacy.com gibt es fast nicht. Im Giro-System mag das alles elektronisch abgesichert sein, aber sobald es an die Symbiose mit MasterCard geht, sollte auch darauf geachtet werden.

Ein paar Worte über Banken

Vor einigen Tagen wurde mir eine Einladung zum neuen Yomo-Projekt der Sparkassen genehmigt. Seit dem stockt der Eröffnungsprozess. Durch einige Stolpersteine dauert es bei mir trotz einfachem „Durchklick“-Interface leider etwas länger.

Yomo soll es den Sparkassen es wieder ermöglichen junge Kundschaft zu gewinnen. Dank Direktbanken mit bedeutend niedrigeren Gebühren und nicht zuletzt Projekten wie N26 verliert die Sparkasse ihren Grundsatz für zukünftige Kunden. Da Deutschlands Bevölkerung bezogen auf Kontowechsel eher faul ist, entsteht hier ein größeres Problem – zumindest für die Sparkasse.

N26 z.B. ist auf MasterCard-Basis und kostenlos. Damit greift N26 genau den Punkt an, an dem junge Kunden im Zeitalter der Globalisierung den internationalen Handel z.B. in amerikanischen Internetshops entdecken oder schlichtweg auch auf Reisen in andere Länder – auch mal auf eigene Faust – gehen können. Das erste was sie dort feststellen werden: Ihre GiroCard mit der sie in Deutschland quasi überall zurecht kommen ist dort so gut wie nicht zu gebrauchen. Da es in Amerika auch einige „only MasterCard/VISA accepted“ Shops gibt, ist man dann selbst dort schon aufgeschmissen.
N26 macht sich dies zu Nutze und bietet einfach eine Debit-MasterCard auf Prepaid-Basis an. Ohne jegliche Kontoführungsgebühren ist man mit den roundabout 20€ die die Sparkasse jährlich benötigt um exakt das selbe zu tun bereits weit voraus.

Wer sein Konto über den Schüler/Studenten/Ausbildungs/Bundeswehr etc. Zeitraum hinaus verwenden möchte fährt fast auf dem gleichen Gleis. Roundabout 70€ im Jahr, falls das Konto so weiter genutzt werden soll wie man es gewöhnt ist. Natürlich gäbe es günstigere Varianten, die dann aber mit Transaktionskosten bei normaler Verwendung dann doch teurer sind als die nächstteurere Variante.

Direktbanken greifen hier an und graben zumindest momentan den Sparkassen massiv Kunden ab. Die Hemmschwelle dann doch das Konto zu wechseln ist bei 70€ im Jahr also schon erreicht und damit ist das Produkt der Sparkasse meines Erachtens nicht mehr Zukunftsfähig. Viele Kunden wechseln zu Comdirekt, ING DiBa und co. schlichtweg weil diese ihren Kontobetrieb anscheinend günstiger finanziert bekommen als Sparkassen. Die einzigen wirklichen Abstriche sind eine kleinere Auswahl an Geldautomaten – das ist das einzige Pro-Argument welches ich den Sparkassen noch zuordnen würde

Bargeld

Die Banken bemühen sich das Bargeld abzuschaffen, weil das Buchgeld und eine möglichst lange Zeit auf dem Bankkonto für sie profitabler ist. Das Gegenteil davon möchten deutsche Kunden – daher war das Bestreben der Banken in letzter Zeit die Kartenzahlung so einfach wie möglich zu machen.

Bargeld ist unter Umständen auch ein Kostenfaktor. Die Geldautomaten müssen irgendwo stehen, das Geld muss da immer wieder reinkommen und alle Nas lang fällt auch mal einer aus oder stielt den Kunden durch Sicherheitslücken ihre Kartendaten.

Die Sparkassen haben das deutschlandweit beste Netz aus Geldautomaten überhaupt. Man steht irgendwo, sucht nach Geldautomaten und der kürzeste Weg zum nächsten ist mit aller Wahrscheinlichkeit ein Sparkassenautomat. Für die Geldtransporter und den Wartungsdienst fallen also einiges an Kosten an. Allerdings bekommt es die Commerzbank und sogar die Postbank hin ein ähnlich gutes Netz aufzubauen – man muss zwar etwas länger laufen, aber nicht deutlich länger. Mit Gruppierungen wie die CashGroup oder CashPool ist dieser Vorteil der Sparkassen dann auch etwas ausgemerzt, Kunden müssen zwar etwas länger nachforschen und können nicht direkt am Sparkassen-Logo erkennen dass es hier Bares gibt – aber das scheint eine eher kleine Hürde zu sein.

Bargeld ist also tatsächlich teuer – im MasterCard System sogar noch teurer – Die Bank des Kontoinhabers muss der Bank des Geldautomateninhabers eine Gebühr für die Bargeldausgabe zahlen. Nicht selten wickeln die Banken deshalb dann die Kosten auf den Kunden ab.

Online

Onlinebanking war gerne eine Ausrede vieler Banken Gebühren einführen zu müssen. Tatsächlich ist ein solcher Service, wenn er denn verlässlich, sicher und stabil sein soll nicht ganz günstig. Das Onlinebanking ist allerdings in der Regel nicht so hoch frequentiert wie die Ticket-Website des Wacken-Festivals während des Ticket-Verkaufsstarts. Die Kosten hierfür lassen sich also berechnen und unter Umständen kleiner halten. Einzig und allein bei Sicherheitslücken wäre für deren Bugfix unter Umständen eine größere Summe notwendig. Kontomodelle wie das „jeder Klick einen Cent“ Modell der Sparkasse Soest ist meines Erachtens nicht notwendig, wenn man sich mal betrachten wodurch die Banken ihr Geld denn überhaupt vermehren können.

Wodurch verdienen Banken

Erst einmal verdienen Banken durch Fondsparverträge, Riesterrenten und co. Aktiv gemanagte Fonds benötigen einen Manager dessen Meinung entscheidet wie das Geld profitbringend für die Bank sein könnte. Managergehälter sind aber nicht günstig – eine Einlage eines Kunden kann dann auch gut und gerne mal der Monatslohn des Fondmanagers sein. Mit dem Rest geht man an die Börse und versucht das bestmögliche zu tun um das Gehalt des Managers und vielleicht auch noch ein bisschen mehr herauszubekommen. Man hat den Kunden ja versprochen es sei Gewinnbringend was sie da tun – wenn dem nicht so ist, dann verliert man ja schon wieder Kunden – und das kann sich eine Sparkasse momentan auch nicht unbedingt leisten.
Selbst für Manager ist die Börse ein schwieriges Unterfangen. Daher gibt es für Manager häufig auch gerne mal Überstunden und 17-Stunden-Tage.
Diese Börsengeschichten sind trotzdem noch die Haupteinnahmequelle der Banken durch das trotz der schwierigen Landschaft augenscheinlich alles mögliche finanziert wird – Nicht ohne Grund sind diese Abteilungen häufig die größten und stärksten Abteilungen in einer Bank.

Was sollen dann noch Kontoführungsgebühren?

Der aktuelle Leitzins der EZB beträgt zumindest laut Finanzen.net exakt 0%. Die Banken können ihr Geld also noch so parken ohne Strafen dafür zahlen zu müssen. Den Leitzins auf die Kunden abwälzen zu wollen kann man also höchstens verlangen wenn voraussichtlich ist, dass dieser fallen wird. Die letzten Äußerungen der EZB sehen da aber etwas anderes vor, weil man ja erkennt was die Banken so mit ihren Kunden tun. Trotzdem gäbe es tatsächlich erst einen Grund wenn die Zinsen wirklich negativ sind. Meines Erachtens sollte der erfolgreiche Handel der Bank neben die Zinsen für Bausparverträge (die eh im Bereich von 0-1% pendeln) und die Kosten die der Geldautomatenbetrieb verursacht tragen können. Zumal gerade bei Banken auch viel Geld in Immobilien und Büromöbeln steckt, die vielleicht nicht so teuer sein müssten.

Blasen

Die Börse produziert regelmäßig Blasen (also stark gehypte Anlegemöglichkeiten) die irgendwann platzen und eine Baisse (also stark fallende Kurse in gesamten Branchen) verursachen. Momentan ist die größte Blase der Immobilien-Markt (Vorsicht: Das ist meine Vermutung – niemand kann das so genau wissen). Damit Banken auch mit ihrem Handel eine solche Blase überstehen können benötigen sie ein sehr dickes Finanzpolster. Das kommt allerdings eher von Bausparverträgen und den sonstigen aktiven Fonds während meiner Vermutung nach Mitarbeiter und Bauspar-Zinsen eher aus dem Handel einer Bank kommen.
Ohne die Blasen und deren dann doch recht heftige Wirkung kann die Börse aber nicht funktionieren und so sollten Blasen zumindest ein bisschen planbar sein – besonders für die Banken – die größten Spieler mit der besten Erfahrung an der Börse.
Das sie planbar sind mache ich daran fest, dass Banken ziemlich aktiv einzelne Anlagemöglichkeiten anwerben. Zuletzt war es „Kaufen Sie Immobilien, das wird auf ewig sicher sein. Wir können auch Kredit.“. Nun mit Niedrigzins lohnt sich Kredit nicht mehr so ganz und aus den Immobilien ist ein „Investieren Sie in ETF’s! Wir haben extra die Ordergebühren verringert.“ geworden.
Es wäre aber jetzt wildeste Spekulation zu behaupten, dass ETFs die nächste Blase erzeugen würden. Zumal niemand sicher wissen kann ob und wann, es sei denn Banken steuern dies aktiv als Verbund – und genau das kann man auch aus dem Marketing und dem Vertrieb von Banken ziemlich transparent erkennen.

Übrig gebliebene Fragen

Es ist ganz klar, dass klassische Banken höhere Kosten haben als Direktbanken. Es ist mir allerdings unverständlich warum klassische Banken den dann doch günstigeren Weg alles irgendwie Online zu verwalten nicht machen möchten. Ich muss für einige Kontoänderungen an den Schalter. Als Pendler praktisch nur mit einem Urlaubstag machbar. Aufgrund der kurzen Öffnungszeiten der Schalter (weil der Betrieb ja so teuer ist) muss ich dazu auch u.U. in Filialen die ich bis dato nicht einmal kannte. Dann ist wieder alles neu und ungewohnt, die Personen sind anders, sind vielleicht bei nicht ganz so detailliert ausformulierten Fragen nicht ganz so hinterfragend wie andere Berater, und und und. Ich meckere jetzt auf hohem Niveau, aber wenn man einen Bankbesuch ähnlich wie einen Arzttermin planen muss um z.B. in zwei Minuten am Schalter ein tägliches Bargeldlimit zu ändern läuft irgendwas falsch.
Direktbanken sind bemüht online alle Informationen zu geben die man braucht. Das schafft unter anderem auch die notwendige Transparenz und Vergleichbarkeit. Man kann Kunden sicherlich auch mit Psychotricks in Beratungen zum Sparkassen Brokerage bewegen, bis diese dann feststellen, dass die üblichen Gebühren der Sparkasse für Brokerage ungefähr das drei- bzw. vierfache der Direktbanken sind. Dann greift die Wechsel-Faulheit der Menschen und alles ist paletti – für die Bank, nicht für den Kunden.

Warum können sich klassische Banken den Verlust den sie durch das EZB-Nullzins-Geldparken laut eigenen Aussagen haben nicht durch den Handel oder durch die Börsen refinanzieren? Die Banken scheinen nicht mehr das Ziel zu haben ihren eigenen Geldbestand ohne Neukunden zu vermehren, sondern lediglich nur noch ihre Eigenkosten zu decken.

Was genau ist an einem Girokonto (z.B. der Sparkasse) so teuer wie bei Direktbanken das Versicherungsset z.B. von N26 Black? Warum können Direktbanken für das Geld eines „klassisch-Bank“-Girokontos das bieten, was man sonst nur in den höchsten Kontomodellen für gut und gerne mal 200€ im Jahr bekommt?