Bose QuietControl 30: Lautstärkeregler für die Außenwelt

Vorab sei gesagt – das hier ist mein erster vernünftiger Kontakt mit Noise Cancelling, in meinem Stamm-MediaMarkt hatte ich mal die QC25 von Bose auf und ein netter Mitarbeiter wechselte sofort die Batterie damit ich diese testen konnte. Die QC25 habe ich sofort wieder abgesetzt nachdem der Schalter fürs Noise Cancelling umgelegt war…
Ich fühle Noise Cancelling irgendwie. Sobald die QC25 unterdrückt hatten, bekam ich ein Gefühl als ob mir jemand einen Wattebausch in die Ohren geschoben hätte – außerdem verschob sich das Tonsignal so sehr, dass man schon glauben könnte Dr. Dre von den Beats hätte seinen obligatorischen Equalizer zwischen geschoben…
Ganz weg von Cancelling wollte ich aber nicht, dafür ist das Konzept dann doch zu attraktiv.

Mit den QC30 von Bose wurde dann das Noise Cancelling regelbar. Angeworben wird tatsächlich ein Lautstärkeregler für die Außenwelt, was nie so ganz stimmen kann und auch nicht stimmen wird.

Antischall

Das was die Kopfhörer letztendlich machen ist auf den ersten Blick eine recht simple Angelegenheit. Mikrofone zeichnen alles auf, was in der Umwelt so an Krach ist und senden das gleiche als invertierte Schallwelle wieder durch Lautsprecher ab. Interferenz zwischen zwei Schallwellen entsteht und beides gleicht sich mehr oder weniger stark aus und ist dann eben keine so starke Schallwelle mehr wie sie ursprünglich mal war.
Das schwierige an der ganzen Angelegenheit ist jetzt den Antischall genau so zu produzieren wie der Schall in den Mikrofonen ankam oder diesen so zu produzieren, dass er genau dem entspricht, was nach der mechanischen Schallunterdrückung der Kopfhörer noch existiert.

Gehen wir mal davon aus, der normale Geräuschpegel würde konstant einer Sinuskurve entpsrechen. Das tut er eigentlich nie, aber der Antischall dazu wäre das genaue Gegenteil.
Hier gezeigt der Schall als blaue Kurve f und der perfekte Antischall dazu als rote Kurve g. Beide Schallwellen treffen sich, Intereferenz, und beide Schallwellen ergeben addiert dann nur noch eine gerade Linie h (hier grün dargestellt).

Antischall vereinfacht dargestellt

In den seltensten Fällen funktioniert das so perfekt und vor allem kommt dann auch noch Musik vom Smartphone hinzu. Außerdem muss Bose erraten wie viel ihr von der f-Kurve (den Außengeräuschen) tatsächlich noch durch die mechanische Geräuschunterdrückung der Kopfhörer noch hört. Da das bei jedem Menschen anders ist kann Antischall meines Erachtens nie perfekt funktionieren. Ob Noise Cancelling also besser oder schlechter ist hängt immer von der Person ab die es erlebt. Ohne ähnlichen Aufwand wie mit Hörgeräten kann Noise Cancelling also keinen Idealpunkt erreichen – und selbst Hörgeräte sind nie ganz perfekt.

Das merkwürdige am Antischall

Der Antischall scheint zumindest bei mir immer mit irgendwelchen Gefühlen verbunden zu sein. Die kurz aufgesetzten Bose QC25 Kopfhörer im Markt setzten sich gefühlt ganz anders auf als sie vorher waren. Außerdem hatte ich das Gefühl mir würde permanent jemand ein ausgefranstes Wattestäbchen im Ohr drehen – was zumindest ich ziemlich unangenehm fand.

Die QC30 fühlen sich anders an. Nicht mehr so unangenehm wie die QC25 und vor allem durch die App und die Fernbedienung in Stufen einstellbar.
In der höchsten Stufe habe ich das Gefühl dass sich die Ohrstöpsel tiefer in den Gehörgang ziehen, was blöderweise meistens in den Momenten besonders stört, bei der man die Geräuschunterdrückung eigentlich braucht. Leicht heruntergeregelt ist die Unterdrückung allerdings gut und fühlt sich nicht mehr so stark an wie es auf der höchsten Stufe ist.

Wer häufig gähnt oder einmal wie zum Druckausgleich kräftig in die zugehaltene Nase pustet wird dann interessiert feststellen, dass man in dem Zustand unter Umständen den Antischall hört – ziemlich interessant in einigen Situationen.

Was kann der Bose-Antischall perfekt?

  • Straßenverkehrsgeräusche bis hin zur 50er-Zohne, so ziemlich alles bis hin zum lautesten LKW. Bis auf die LKW-Bremsen an Ampeln.
  • Geräusche innerhalb eines fahrenden Zuges. Die erste Klasse ist perfekt ruhig. In der zweiten Klasse sind allerdings bei besonders vollen Zügen noch Stimmen erahnbar, weil sich hier jeder versucht mit der eigenen Stimme zu übertönen. Es ist aber auch mit Mühe nicht mehr erkennbar was genau gesprochen wird.

Was kann der Bose-Antischall nicht so perfekt?

  • Gleiche 50-er Zohne, nur mit nasser Straße: Die Motorgeräusche selbst sind so gut wie weg, allerdings hört man das eher hellere Geräusch der Reifen auf der Nassen Straße weiterhin, zwar leiser als ohne Kopfhörer, aber auch durch Musik hindurch erkennbar.
  • lautere Stimmen, insbesondere spielende Kinder oder Babys die sich bei Ihrer Mutter bemerkbar machen möchten.
  • Bahnsteig-Geräusche wie z.B. ein einfahrender Zug. Allerdings ist die Musik im Gegensatz zum ausgeschalteten Antischall klarer zu hören, selbst wenn gerade ein Güterzug durchfährt. Fahrende Züge hört man weiterhin, die Gespräche am Bahnsteig oder stehende Züge sind allerdings relativ gut unterdrückt.

Was kann der Bose-Antischall nicht?

  • Fahrtwindgeräusche. Sie klingen anders, sind aber genau so störend wie sonst auch immer – und vor allem sind sie als Antischall ebenso laut wie eine beim Radfahren ans Ohr gehaltene Strandmuschel.
  • Geräusche die beim Anfassen der Ohrstöpsel entstehen bzw. Geräusche die durch eine reibende Regenjacken-Kapuze entstehen.

Alles in Allem vergleiche ich den Antischall gerne mit individuellem Gehörschutz. Besonders Gehörschutz für Musiker dämpft jede Tonlage gleichzeitig und regelmäßig ab, während die Bose Kopfhörer hier selektiv vorgehen und auch hörbar einzelne Tonhöhen unterdrücken können. Welche das sind entscheidet dann die Elektronik anhand des Mikrofonsignals.

Die App

Bose Connect
Bose Connect
Developer: Bose Corporation
Price: Free
  • Bose Connect Screenshot
  • Bose Connect Screenshot
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Bose Connect
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Bose meint über die App sei der Antischall stufenlos regelbar. Man hört allerdings die Stufen deutlich raus, auch wenn der Regler in der App an sich stufenlos hin und her wischbar ist. Schlussendlich sind die gleichen Stufen der Kabel-Bedienung auch in der App einstellbar.
Blöderweise sind das so ziemlich die einzigen Funktionen der App. Es gibt ebenfalls eine Funktion um die Musik von einem Smartphone auf bis zu zwei Kopfhörern gleichzeitig abspielen kann. Aufgrund des hohen Preises der Hörer wird das allerdings eher selten vorkommen, zumal der QC30 der erste Inear-Bluetooth-Kopfhörer mit Noise Cancelling von Bose ist.
Die App selbst bleibt also faktisch nur für das Firmware-Update, welches man initial einmal machen sollte. Ich schätze aber dass es relativ wenige weitere Firmware-Updates von Bose geben wird. Danach ist die App nur ein Noise-Cancelling-Regler, der die abgespielte Musik ebenfalls anzeigt.

Hear-Through

Bose vermeidet den Begriff eher (vermutlich auch wegen irgendwelchen Namensrechten anderer Hersteller), hat eine ähnliche Funktionen. Wird der Antischall auf die Hälfte heruntergeregelt klingen die Bose QC30 in etwa so als hätte man normale Kopfhörer auf. Ich habe das Gefühl, dass unter 50% Antischall-Lautstärke die Mikrofone anfangen Außengeräusche zu verstärken und dann, je nach Einstellung immer lauter werden. Ohne Antischall – also mit voller Lautstärke-Verstärkung durch die Kopfhörer – klingt die Außenwelt allerdings deutlich verstärkt. Letztendlich sehe ich darin auch Vorteile. Man hört jede einzelne Klimaanlage und Lüftung und eigene Schritte sind deutlich lauter. Es entsteht dadurch aber erst einmal ein Gefühl für die Geräusche die das menschliche Gehirn normalerweise eh schon gut rausfiltern können sollte.

Der Klang

Klanglich kann ich Noise Cancelling Kopfhörer momentan noch nicht vergleichen. Das Cancelling muss den Ton vom Konzept her verändern um Außengeräusche zu verhindern. Meinen Erfahrungen nach sind die Kopfhörer stark basslastig – vermutlich weil im Mittelton-Bereich bei meinen Verkehrswegen der meiste Antischall stattfindet. Das Internet schreit einen allerdings in vergleichbaren Tests förmlich mit Basslastigkeit von Bose an. Zum alltäglichen Hören oder besonders für Pendlerfahrten in der Bahn sind die QC30 also gut geeignet, wer Wert auf Klang legt sollte sich eher im günstigen HiFi-Bereich umsehen, die Bowers&Wilkins C5 klingen z.B. deutlich differenzierter und klarer, sind aber bzgl. Geräuschunterdrückung das komplette Gegenstück zu Bose.

Der Ton ist in etwa vergleichbar mit Kopfhörern um die 50-80€ oder den Xiaomi Piston-Kopfhörern. Den Aufpreis zahlt man also fast ausschließlich für das sagenumwobene Noise Cancelling von Bose. Man erkennt meines Erachtens auch am Klangbild dass der Hauptfokus auf dem Antischall lag.

Das Mikrofon zum Telefonieren wird von mir nicht betrachtet, da ich es nicht nutzen werde. Ich nutze die Kopfhörer nicht als Headset und das wird voraussichtlich auch so bleiben. Zur Telefonie habe ich in den Bluetooth-Einstellungen von Android einfach das Anruf-Audio ausgeschaltet.

Der Aufbau

Bluetooth-Inears müssen immer irgendwo eine Batterie haben. Meistens hängt diese dann mittig am Kabel oder ist bei modernen Kopfhörern wie denen von Anker namens „Zolo“ direkt im Hörer verbaut. Für die versprochene Laufzeit von 10 Stunden inklusive Antischall benötigt es aber weitaus mehr Strom, was den Kopfhörer nur unhandlich machen würde. Die ganze Elektronik ist bei den QuietControl in einer Art Halsband untergebracht. Das zieht insbesondere über T-Shirts und Hemden immer mal Blicke auf sich, die sich aber dann relativ schnell klären. Grundsätzlich ist das ungewöhnlich und fühlt sich als Umsteiger von Kabelgebundenem eindeutig erst einmal komisch an. Man braucht ein gewisses Maß an Vertrauen in dieses „Halsband“ um nicht ständig mit den Händen den Sitz vergewissern zu wollen.

Grundsätzlich liegt das Band aber stabil auf dem Hals und verrutscht nicht großartig. Einzig und allein beim zeitsparenden Sprint von der Bahn zur Straßenbahn verrutscht das Band so, dass man den Sitz nachjustieren muss um wieder entsprechende Kopfbewegungsfreiheit zu haben. Hier wären eventuell längere Kabel und Mechanismen wie bei den LG Tone Infinim Kopfhörern sinnvoll. Dank der Mikrofone in den Kopfhörern sind die Kabel allerdings entsprechend dick, weshalb ein Einzieh-Mechanismus nur den Verschleiß befördern würde.

Unter der Jacke kann der Bügel allerdings verschwinden ohne zu verrutschen.

Die Fernbedienung am Kabel ist besser als andere vergleichbare. Sie ist höher als bei vielen anderen Headsets und auch aus dem Augenwinkel nicht mehr zu erkennen, allerdings sind die Tasten deutlich fühlbar und unterscheidbar, was eine Blindbedienung ohne viel Übung ermöglicht.

Die Ohrteile selbst sind unerwartet groß, müssen dies aber dank der Mikrofone auch sein. Durch die Silikonteile, die man laut Anleitung eher in den Gehörgang hineindrehen anstelle von -stecken soll, sitzt aber alles fest und fühlt sich bis auf die Nebeneffekte durch den Antischall auch auf längere Zeit angenehm an.

Fazit

Als aktuellstes Modell von Bose scheinen die QC30 eindeutig aufs Noise Cancelling ausgelegt worden zu sein. In der Klangqualität sollte man nicht allzu hohe Ansprüche stellen, was im Preisbereich von aktuell ca. 200€ bis 230€ sicherlich für viele nicht ganz einfach sein wird. Hier sollte man bedenken dass man das Topmodell des Marktführers im Noise Cancelling kauft und eher den Zweck anstelle den Ton betrachten. Nichtsdestotrotz klingen die Kopfhörer vergleichbar gut, können aber mit u.U. günstigeren High-End Inears von Shure oder Bowers & Wilkins nicht mithalten.
Laut Preisverlauf scheint ein Preisfall allerdings jedes Jahr einmal stattzufinden. Wer also geduldig ist und seine Vorfreude lange hinauszögern kann, kann hier warten.
Für das gute Noise Cancelling, welches einem etwa gleich bepreisten individuellem Gehörschutz in nichts nachsteht sind die 200€ allerdings gut investiert.

Zolo: Anker mit neuem Kickstarter-Projekt

Der Amazon-Händler Anker, der  für alles mögliche an Smartphone-Zubehör bekannt ist, startet mit dem Namen Zolo demnächst eine Kickstarter-Kampagne für ein Gerät, welches ziemlich exakt nach den „The Dash“ Kopfhörern aussieht.

Zolo - Neue Kopfhörer von Anker?

Nun teasert man ein ähnliches Gerät auf einer Website mit Newsletter-Opt-In an. Ein Hinweis auf eine Kickstarter-Kampagne ist auch vorhanden.
Warum auch immer der Anker-Konzern dieses Produkt per Kickstarter finanzieren muss. Mit dem festen Standbein im Amazon-Geschäft sollte man eigentlich ausreichend Kapital haben um ein paar neue Produkte zu finanzieren, wie es in den sonstigen Produktreihen auch geschieht.
Vielleicht will man hier nur auf die gefloppten „The Dash“ anspielen und den gleichen Kickstarter-Effekt nutzen um selbst ein Produkt der Kategorie zu haben.
Neben Samsung und einigen weiteren ist man hiermit aber auch nicht mehr alleine auf dem Markt.

RippleBuds: EarIn mit Mikrofon

Erinnert ihr euch noch an EarIn? Damals wurden den Kabeln von In-Ear-Kopfhörern einfach mal der Kampf angesagt und sie wurden ganz abgeschafft. Nun gibt es ähnliche Kopfhörer, die auch gleich ein Mikrofon mitbringen, genannt RippleBuds.

Günstig sind die Teile allerdings nicht. Wer ein vernünftiges Stereo-Erlebnis haben will braucht das Paket für 109 USD, hinzu kommen noch einmal 20 USD an Versandkosten. Das macht aktuell umgerechnet und mit eingerechneten Zollgebühren 136,80 EUR. Nicht viel für Headsets, wenn sie eine gute Audioqualität haben, hierzulande bekommt man für den Preis allerdings auch schon kabelgebundene Kopfhörer mit sehr guter Audioqualität. Die RippleBuds haben eher die Ambitition ein Telefonier-Headset zu werden, daher vermute ich nicht, dass der Fokus auf Audioqualität oder möglichst akkurate Frequenzwiedergabe liegt.
Wer mit Mono auskommt, kann sich auch einen einzelnen Hörer für inzwischen noch 89 USD kaufen. Die Preise werden mit der Zeit angepasst, die nächsten 500 Unterstützer können dann ein Mono-Headset für 99 USD kaufen. Das ist allerdings noch weit unter dem finalen Preis, 129 USD soll die Mono- und 179 USD die Stereo-Version der RippleBuds kosten, falls die Kickstarter-Kampagne erfolgreich ist und man sich eine Produktion aufgebaut hat. Wer also Interesse hat sollte bald zuschlagen.

Beachtet bei Kickstarter bitte immer: Ihr unterstützt in erster Linie Ideen und kauft keine Produkte. Zwar werden Produkte versprochen, die Lieferung kann sich aber unter Umständen auch sehr lange verzögern, falls im Entwicklungslauf einige Probleme entstehen. Geht an Kickstarter bitte immer mit der Absicht ran Ideen unterstützen zu wollen und nicht Produkte kaufen zu wollen.

via

Apple lässt sich „Airpods“ Namen patentieren

Apple könnte an Bluetooth-In-Ear Kopfhörern arbeiten. Zumindest besagt dies eine bestätigte Trademark im Auftrag von Apple (durch Drittanbieterfirmen) laut Informationen von MacRumors.

airpods_trademark_macrumors

Die besagten Kopfhörer dürften allerdings noch in weiter Ferne sein. Bisher existiert nur ein Trademark für den Namen.